Politik 21.02.11
Ursula von der Leyen besuchte die GWW in Sindelfingen
„Das ist sehr interessant, was Sie hier machen: das ist gelebte Inklusion“, bringt die Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Ursula von der Leyen, die Eindrücke ihres Besuches in der Werkstatt der GWW (Gemeinnützige Werkstätten und Wohnstätten GmbH Sindelfingen) auf den Punkt. Am 17. Februar informierte sie sich gemeinsam mit Vertretern des Kunden Daimler AG über die Zusammenarbeit der Werkstatt für behinderte Menschen mit der Industrie.

von links: Hans-Peter Ulmer, Regionalleiter GWW Sindelfingen, Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, Rolf Röhm, GWW Projektleiter, Andrea Stratmann, GWW Geschäftsführung
© GWW
Der erste Weg führte die Arbeitsministerin in die Fertigung der Werkstatt. Interessiert folgte sie den Worten von GWW- Geschäftsführerin Andrea Stratmann, um sich dann den Mitarbeitern in der Scheibenfertigung zu widmen. Diese erklärten der Ministerin im Detail ihre Arbeit und die einzelnen Arbeitsabläufe. Selbstverständlich an den Prozessen der Industrie teilzuhaben und damit in den normalen Produktionsprozess eingebunden zu sein, sei für die Beschäftigten sinnstiftend.

Qualifizierung ist die Basis für die vielen verschiedenen Tätigkeitsfelder, die die Werkstätten anbieten. „Unser Ziel ist es, möglichst viele Tätigkeiten anzubieten, damit die beschäftigten Personen eine Arbeit finden, die ihren Interessen und Fähigkeiten entspricht“, erklärte Stratmann. Dabei müsse immer berücksichtigt werden, dass das Ergebnis auch wirtschaftlich verwertbar ist. Mitleid sei kein Faktor, der dauerhaft helfe - davon ist die Geschäftsführerin überzeugt. Daher baue die GWW auch keinen „Parallel-Arbeitsmarkt“ auf, sondern biete nur dort Angebote, wo sie außerhalb der Werkstätten für die betroffenen Personen nicht geboten werden. „Ein Mitarbeiter wollte Bäcker werden, nun begleiten wir ihn in einer Bäckerei vor Ort, außerhalb der GWW, aber nur so lang das notwendig ist – vielleicht ergibt sich daraus auch ein Arbeitsverhältnis“, führte Stratmann aus.

Dass die Schaffung neuer Arbeitsverhältnisse mit Hilfe konkreter Qualifizierungen möglich ist, zeigt das Beispiel des von der GWW entwickelten und mittlerweile staatlich anerkannten Berufsfeldes des Alltagsbetreuers. Der Wunsch verschiedener Werkstattbeschäftigter, in der Pflege und Begleitung anderer Menschen tätig zu sein, sowie die Prognosen zum demografischen Wandel in der Gesellschaft, führten zu der Entscheidung, eine niederschwellige Qualifizierung für Menschen mit Behinderungen in diesem Berufsfeld aufzubauen. In Bildungsmodulen lernen die Teilnehmer gemäß ihrem individuellen Lerntempo und können ihr Wissen in den Praxiswochen direkt anwenden. „Was mir gut gefällt: Sie denken vom Menschen her, nicht vom Produkt“, lobte Ursula von der Leyen diesen Ansatz. Das von der GWW entwickelte Konzept des Alltagsbetreuers ist übrigens eines von drei für den Bildungspreis "excellent:bildlung" externer Link nomierten. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 18. März auf der Werkstätten:Messe in Nürnberg verliehen.

Die Ministerin erkannte bei ihrem Besuch auch die Probleme, die sich den Werkstätten in den Weg stellen. Der lange Weg von der Idee bis zur Umsetzung einer solchen Qualifizierung sei durch viele Hindernisse erschwert, die nicht sein müssten. So könne eine Vermittlung der Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit ausreichender Qualifizierung erreicht werden. Diese werde von Bildungsträgern aber nur sehr selten angeboten. Wenn Werkstätten diese Lücke schlössen, um den Personen zur notwendigen Bildung zu verhelfen, würden sie kritisch beäugt. Die Ministerin versprach diese Prozesse nochmals genau unter die Lupe zu nehmen.

Abschließend besucht Ursula von der Leyen die angehenden Alltagsbetreuer im Unterricht. Schnell entwickelten sich Fachgespräche über Demenz, alte Menschen, die notwendige Geduld und das besondere Einfühlungsvermögen, welches die Alltagsbetreuer aufgrund ihrer eigenen Erfahrung mit Behinderungen mitbringen. Den Schutzengel, den die Teilnehmer der Ministerin am Ende überreichten, nahm sie gerne an: „Man weiß nie, wann man ihn brauchen kann…“.


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