Politik 06.09.11
Inklusionslandkarte: Wo sind die Werkstatt-Projekte?
Im Dezember 2010 rief Hubert Hüppe, der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, auf, sich für die Aufnahme auf der virtuellen „Landkarte der inklusiven Beispiele“ externer Link zu bewerben. Seit März 2011 werden Beispiele gelungener Inklusion im Rahmen einer Kampagne präsentiert.

Auch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) hat im Werkstatt:Dialog 2/2011 über dieses Projekt berichtet und ihre Mitglieder aufgerufen, inklusive Projekte einzureichen. Nun, neun Monate später stellt sich die Frage: Wie ist die virtuellen Landkarten besiedelt?

Das Engagement der Werkstätten bildet sich dort bislang kaum ab – wie eine erste Auswertung zeigt. Von den 119 Beispielen für gelungene Inklusion waren Ende August nur drei Projekte von Werkstattträgern dabei. Laut einer Mitgliederbefragung der BAG WfbM im Juli 2011 hatten sich bis dahin 16 Werkstattträger mit innovativen Projekten beworben. Zehn Initiativen wurden abgelehnt, drei warten noch auf Rückmeldung.

Projekte aus Werkstätten als Sondereinrichtungen abgelehnt
Unter den abgelehnten Projekten befinden sich unter anderem auch nachhaltige und erfolgreiche Kooperationen mit Unternehmen bei der Schaffung von Außenarbeitsplätzen. Die arbeitnehmerähnlichen Verhältnisse der Außenarbeitsplätze – so die Argumentation des Inklusionsbeirates - unterliegen den Sonderkonditionen von Sondereinrichtungen und seien deshalb zwar ein Schritt in die richtige Richtung, entsprächen aber nicht den Anforderungen von Inklusion.
 
Diese Argumentation setzt sich auch bei Ausbildungsprojekten von Werkstattträgern fort, die sich gleichermaßen an behinderte wie an nichtbehinderte Menschen richten. Hier lautet die ablehnende Begründung, dass es sich um Integrationsprojekte von Werkstätten handele und die ja zu ihrem gesetzlichen Auftrag gehören.
 
Drei Projekte, bei denen Wektstätten Teil der Initiative sind oder diese fördern, schafften es auf die Karte der inklusiven Beispiele: 

    Die Schule der Schlumper, eine Ateliergemeinschaft von Künstlern in Hamburg externer Link 

    
Startbahn – eine Schule zur Berufsfindung und –förderung aus Fulda externer Link  

    
Perspektiva – eine Fördergemeinschaft für Arbeit und Leben externer Link

Bewertung
Über die Aufnahme der Vorschläge entscheidet der Inklusionsbeirat. Dieser besteht aus „Expertinnen und Experten in eigener Sache“. Der beim Beauftragten angesiedelte Inklusionsbeirat hat drei Mitglieder für die „Gruppe Landkarte der inklusiven Beispiele“ ausgewählt, die entweder selbst behindert sind oder einen Verband vertreten. Diese drei Personen bewerten die Beispiele anhand von zehn Kriterien. externer Link

Was ist inklusiv?
Die Initiative der „Landkarte der inklusiven Beispiele“ verwendet einen sehr eng gefassten Begriff von Inklusion. Inklusion sieht der Inklusionsbeirat dort, „wo Menschen von Anfang eine selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe möglich ist – also nicht in Sondereinrichtungen“. Ein Kriterium für die Bewertung unterscheidet sogar danach, wer das Angebot entwickelt hat. Beispiele, die sich ausschließlich durch ein vorbildliches Engagement für Menschen mit Behinderungen auszeichnen, werden daher in der Regel ebenso abgelehnt wie Beispiele, die einzig bestehende Gesetze und Vorgaben umsetzen.
 
Werkstätten und Inklusion sind keine Gegensätze
Die Erweiterung der Arbeitswelt um Sozialunternehmen ist keine Sackgasse mit Sondereinrichtungen, sondern eine zukunftsweisende Brücke, die sich für die gesamte Gesellschaft auszahlt. Darüber möchte sich der Vorstand der BAG WfbM mit dem Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen und dem Inklusionsbeirat austauschen. In dem Positionspapier des BAG WfbM-Vorstands „Maßarbeit“ werden Wege aufgezeigt, wie mehr Menschen am Arbeitsleben teilhaben können. „Maßarbeit“ überträgt das erfolgreiche Konzept der Werkstattarbeit auf alle Personen, die Unterstützungsangebote auf ihrem Weg in die Arbeitswelt benötigen.
 
Denn die aktuellen Arbeitslosenstatistiken zeigen quartalsmäßig, dass der „Arbeitsmarkt“, so wie konstruiert ist, keine ausreichende und nachhaltigen Chancen für Menschen mit Handicap bietet. Insofern ist es unerlässlich, dass Werkstätten ihre Angebote weiterentwickeln und auf sich aufmerksam machen: mit Beispielen für gelungene Inklusion.


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