Europa 25.06.04
Europäisches Netzwerk zur Entsorgung von Elektro(nik)-Altgeräten im Rahmen der WEEE
Vor dem Hintergrund der zum 13.08.2004 in nationales Recht umzusetzenden Richtlinie 2002/96/EG des europäischen Parlaments und des Rates über Elektro- und Elektronik-Altgeräte (WEEE, Waste Electrical and Electronic Equipment) sowie dessen Inkrafttreten zum 13.08.2005 ergeben sich neue Chancen und Herausforderungen für die in der Entsorgung von Elelktro(nik)-Altgeräten tätigen Einrichtungen der Behindertenarbeit.

Als Folge dieser neuen Gesetzgebung treten an Stelle der bisherigen, regionalen Auftraggeber (Kommunen, Unternehmen aus Industrie, Gewerbe und Handel, Behörden und Verwaltungen) nun überregional/bundesweit/europaweit tätige Hersteller und Vertreiber von Geräten.

Diese Unternehmen stellen, auch unter dem Aspekt dieser neuen Gesetzgebung, umfassende Anforderungen an die Entsorgungsbranche bezüglich Standortnetzwerk, Qualität, Dokumentation und Preis-Leistungsverhältnis.

In Deutschland ist seit über 10 Jahren der Verbund von sechs jeweils regional ansässigen GDW-Organisationen (Genossenschaft der Werkstätten für behinderte Menschen) mit den angeschlossenen Werkstätten für behinderte Menschen nunmehr in der Entsorgung von Elektro(nik)-Altgeräten tätig. Die in diesem Geschäftsbereich anfallenden Aufgaben sind folgendermaßen verteilt:

Der GDW-Verbund ist für Auftragsakquisition, Auftragsorganisation, Kundenbetreuung/-beratung, zentrale Auftragsdokumentation und Fraktions-verwertung verantwortlich sowie für die Schulung und Beratung gegenüber den Werkstätten zuständig.

Die Leistungen der Werkstätten beinhalten den Transport, die Wareneingangserfassung, die manuelle Demontage der Altgeräte in Baugruppen bzw. Bauteile (Fraktionen) sowie die Entsorgungsdokumentation.

Insbesondere die manuelle Zerlegung der Altgeräte in Verbindung mit der hohen Fraktioniertiefe und der anschließenden Separation der wert- und schadstoffhaltigen Fraktionen sowie deren Weiterverarbeitung mit spezieller Anlagentechnik durch gezielt ausgewählte Verwertungsunternehmen, bildet die Voraussetzung für das Erreichen einer sehr hohen Verwertungsquote, zukünftig gefordert nach WEEE. Die Werkstätten verfügen über alle erforderlichen abfallrechtlichen Genehmigungen und arbeiten einheitlich nach dem Qualitätsstandard DIN EN ISO 9001:2000. Zudem wird die fachliche Kompetenz durch die Zertifizierungen als Entsorgungsfachbetriebe dokumentiert.

Aufgrund der qualitativ hochwertigen Verwertungstätigkeit und dem sozialen Hintergrund unterscheiden wir uns positiv von den Entsorgungsunternehmen, welche die Verarbeitung der kompletten Altgeräte maschinell über Schredderanlagen betreiben, und haben uns erfolgreich in diesem Dienstleistungsbereich etabliert.

Derzeit sind dem GDW-Verbund ca. 80 Werkstätten angeschlossen, die über eine derzeitige Verwertungskapazität von ca. 20.000 t/a für Elekto(nik)-Altgeräte der Branchen IT, Telekommunikation, Unterhaltungselektronik, Haushaltsklein- und -großgeräte sowie spezielle Geräte der Industrietechnik verfügen.

Gemäß den Herstelleranforderungen nach einer über Deutschland hinaus gehenden Entsorgungsdienstleistung, haben wir mit Unterstützung der BAG WfbM (Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen e. V.) Kontakte zu sozialen Einrichtungen im europäisches Ausland aufgenommen. Daraus ist Anfang 2003 ein Interessenverbund entstanden, in dem, parallel neben den eigenen nationalen Aktivitäten, die zukünftigen europaweiten Aufgaben der Auftragsakquisition und -abwicklung gemeinsam gestaltet werden. Neben dem nationalen GDW-Verbund, haben sich die nachstehenden europäischen Einrichtungen zur "Workability Recycling Partnership"( WRP) organisiert:

CEDRIS ist eine staatlich finanzierte, niederländische Dachorganisation der Beschäftigungswerkstätten. Zugehörig sind 92 Mitgliedswerkstätten, die insgesamt ca. 93.000 körperlich und geistig behinderte Menschen sowie ca. 8.500 Angestellte beschäftigt. Um die derzeit im Bereich der Entsorgung von Elektro(nik)-Altgeräten bestehenden Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen zu sichern und auszubauen, haben sich in den Niederlanden zunächst 12 Werkstätten zusammengefunden, die gemeinsam die Anforderungen der WEEE bewältigen wollen. Sofern der Bedarf nach größeren Verarbeitungskapazitäten bestehen, wird CEDRIS weitere Einrichtungen in das Entsorgungsnetzwerk einbinden.

Die spanische, aus einer privaten Stiftung hervorgegangene, Trägerorganisation Fundosa besteht u. a. aus 34 Werkstätten für Menschen mit Behinderungen und 38 weiteren sozialen Einrichtungen. Zur Zeit sind insgesamt ca. 8.600 Menschen mit Behinderungen und ca. 3.100 Angestellte beschäftigt. Neben den Entsorgungstätigkeiten in anderen Branchen, sieht Fundosa im Rahmen der WEEE eine gute Chance für den Aufbau eines neuen Geschäftsbereiches, um im spanischen Markt der Entsorgung von Elektro(nik)-Altgeräten zukünftig eine Schlüsselposition einzunehmen.

Die nicht profitorientierte Rehab-Gruppe ist in Irland ansässig und verantwortlich für die Betreuung und Beschäftigung von ca. 130.000 Menschen mit Behinderungen in einem sozialen Umfeld. Gandon Enterprises, eine Einrichtung der Rehab-Recycling, bietet überwiegen Dienstleistungen in der Entsorgungs- und Aufbereitungsbranche an und stellt einen der größten Marktteilnehmer dar. Derzeit besteht bereits ein Geschäftsfeld der Entsorgung von Elektro(nik)-Altgeräten, dass sich insbesondere auf die Verwertung von PCs bezieht. Vor dem Hintergrund der kommenden WEEE streben Gandon Enterprises und Rehab-Recycling den Aufbau des größten Rücknahme- und Entsorgungssystems in Irland an.

Remploy trägt die Gesellschaftsform einer GmbH und ist mit über 80 Standorten sowie mit ca. 13.000 Mitarbeitern der in Großbritannien größte Beschäftigungsträger für Menschen mit Behinderungen. Bereits seit mehreren Jahren ist Remploy in der Entsorgung und der Aufarbeitung für die Weiterverwendung von Elektro(nik)-Altgeräten tätig und dabei insbesondere auf Haushaltsklein und -großgeräte, Geräte der IT-Branche und Kühl- und Gefriergeräte ausgerichtet. Aufgrund der vorliegenden Erfahrungen soll dieser Geschäftbereich im Rahmen der WEEE zum national größten Unternehmen ausgebaut werden.

Die aus Elterninitiative entstandene, französische Dachorganisation SNAPEI verfügt über 825 Werkstätten, in denen ca. 160.000 Menschen mit Behinderung von ca. 57.000 Mitarbeiter betreut werden. Seit 1998 wird die Entsorgung von Elektro(nik)-Altgeräten der Branchen IT, Haushalts, Medizin und Telekommunikation an bisher einem Werkstattstandort durchgeführt. SNAPEI sieht insbesondere für psychisch erkrankte Menschen gute Voraussetzungen für eine Ausweitung der Tätigkeit im Rahmen der WEEE und kann zur Erweiterung der Entsorgungskapazitäten innerhalb eines Jahres ein Netz von ca. 10 weiteren Entsorgungsstandorten aufbauen.

Nachdem in einem ersten Schritt eine Ist-Aufnahme der jeweiligen Strukturen erfolgte, wurde in der anschließenden Konzeptionierungsphase die Ermittlung der Leistungsmöglichkeiten der einzelnen europäischen Partnerorganisationen vorgenommen.

Für die unterschiedlichen rechtlichen Grundlagen, die verschiedenen Sozialsysteme und die Anreize für Unternehmen mit Werkstätten für behinderte Menschen zusammenzuarbeiten müssen ebenso Lösungen erarbeitet werden wie für die Umsetzung von einheitlichen Qualitätsstandards und Preiskorridoren.

Zur Zeit erfolgen die Planungen für den Aus- bzw. Aufbau der Kapazitäten in den Entsorgungsbereichen. Insbesondere für den Neuaufbau der entsprechenden Strukturen in den Einrichtungen der europäischen Partnerorganisationen wird die große Erfahrung des GDW-Verbundes geschätzt, wodurch ein Bedarf an zu leistendem Know-how-Transfer entsteht. So wurde zwischenzeitlich bei verschiedenen Besichtigungen von unseren Recyclingstandorten der Informationsaustausch intensiviert.

Zeitgleich finden Gespräche mit den potentiellen Auftraggebern sowohl auf der nationalen als auch auf der europäischen Ebene statt. Mit einzelnen potentiellen Kunden werden zur Zeit die konkreten Rahmenbedingungen erarbeitet.

Dabei kristallisiert sich eindeutig heraus, dass, aufgrund der zu erwartenden großen Gerätemengen und damit verbunden die Rücknahmekosten, der deutsche Markt neben Frankreich, England und Italien derjenige ist, auf den die Hersteller eine besondere Priorität hinsichtlich einer kostengünstigen, unkomplizierten und zuverlässigen Lösung der Rücknahme- und Entsorgungsleistung legen.

Aus diesem Grund und auch im Hinblick auf das Bestehen gegen die inländischen Konkurrenzunternehmen ist es sinnvoll, dass sich weitere Werkstätten in diesem Bereich mit uns zusammenschließen, damit wir gemeinsam die vorhandenen Ressourcen nutzen können, um letztendlich die Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen im Bereich der Entsorgung von Elektro(nik)-Altgeräten auch nach Inkrafttreten der WEEE zu sichern und zukunftsorientiert auszubauen.

GDW-Nord / D. Richter


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