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Perspektivenwechsel: Menschen mit geistiger Behinderung arbeiten als Seniorenhelfer
(Berlin) Menschen mit geistiger Behinderung leisten wertvolle Arbeit als Alltagsbegleiter in der Pflege. So das Fazit einer aktuellen Studie der Bundesvereinigung Lebenshilfe und der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege.

Behinderte Menschen werden meist als hilfebedürftige Personen wahrgenommen, die in ihrem täglichen Leben auf Betreuer, Pfleger oder Assistenten angewiesen sind. Die Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, Ulla Schmidt, und der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP), Dr. Ralf Suhr, präsentierten am 5. November 2012 in Berlin die Informationsschrift „Perspektivenwechsel“, die einmal eine ganz andere Sichtweise erlaubt: Menschen mit geistiger Behinderung haben sich in der Altenhilfe ein berufliches Tätigkeitsfeld erobert, in dem sie selbst Unterstützung für andere Menschen leisten können und ihr Kommunikations- und Einfühlungsvermögen gefragt ist. Sie arbeiten dort als Alltagsbegleiter mit vielfältigen Aufgaben – helfen den Senioren etwa beim Essen, begleiten sie bei Spaziergängen oder spielen und singen mit ihnen.

„Die Inklusion von Menschen mit Behinderung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, keine Frage. Doch es wird Zeit zu erkennen“, betont Ulla Schmidt „dass Inklusion auch mithelfen kann, andere wichtige gesellschaftliche Aufgaben wie die menschenwürdige Betreuung im Alter zu lösen.“ Gesellschaft und Pflege könnten von einem anderen Blick auf Menschen mit Behinderung nur profitieren, so auch Dr. Ralf Suhr: „Wir benötigen ein neues, ein anderes Hinsehen, wir müssen stärker die Fähigkeiten von Menschen mit Pflege- und Hilfebedarf wahrnehmen und wegkommen von einer Fixierung auf ihre Einschränkungen. So kommen wir weiter.“

Die Studie „Perspektivenwechsel“ ist das Ergebnis eines Kooperationsprojekts, das die beiden Organisationen im Mai 2011 gestartet hatten. Ein Team von Lebenshilfe- und ZQP-Mitarbeitern besuchte die Helfer direkt an ihren Arbeitsplätzen, führte Gespräche mit ihnen, ihren Vorgesetzten und Anleitern, mit den Senioren und ihren Angehörigen. In einer strukturierten Befragung erhoben sie Praxiserfahrungen von 17 ausbildenden Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM), 29 kooperierenden Altenhilfeeinrichtungen und 56 behinderten Alltagsbegleitern; die Antworten legten sie einer Expertenrunde zur Auswertung vor.

Dabei wurde deutlich, wie vielfältig die Arbeitsverhältnisse vor Ort sind: Die meisten Alltagsbegleiter arbeiten in stationären Einrichtungen der Altenhilfe, manche aber auch in ambulanten Angeboten wie Seniorencafés. Viele haben einen ausgelagerten WfbM-Arbeitsplatz, doch einige haben von dort aus auch den Sprung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt geschafft.

Ein Ergebnis ist allerdings eindeutig: Wenn alle Beteiligten einbezogen werden und gut miteinander kommunizieren, wenn eine praxisnahe und motivierende Qualifizierung und Einarbeitung erfolgt und Ansprechpartner für den behinderten Mitarbeiter zur Verfügung stehen, kurz: wenn die Bedingungen stimmen, dann können interessierte Menschen mit geistiger Behinderung ihren Traumjob als Alltagsbegleiter hervorragend ausfüllen.

Für sie selbst bedeutet dies, einen erfüllenden Beruf zu haben, der stolz und selbstbewusst macht und ihre soziale Teilhabe stärkt. Doch gleichzeitig leisten sie mit ihrer Arbeit einen wertvollen Beitrag dazu, eine „Gesellschaft des langen Lebens“ individuell, lebendig und orientiert an den Bedürfnissen der Senioren zu gestalten.

Katja Häfke, eine der Alltagsbegleiterinnen und -begleiter, die in der Studie vorgestellt werden, drückt das so aus: „Ich habe etwas Richtiges zu tun!“

(Text: Dr. Angelika Magiros, Lebenshilfe)


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