Arbeitswelt 21.08.04
Kennzahlensystem für WfbM
Die Betriebsergebnisse der Werkstätten sind durch gegenläufige Tendenzen beeinflußt. Die Entgelte der Sozialleistungsträger für die Betreuung der Beschäftigten finden, bedingt durch die eingeschränkten Finanzmittel der öffentlichen Haushalte, keine ausreichende Anpassung an die Kostenentwicklungen in den WfbM. Kostensteigerungen durch zunehmende Belegung, Tarifanpassungen der Gehälter des Personals oder Sachkostensteigerungen müssen aber ergebnisneutral kompensiert werden. Die Anforderungen an die Qualität der Arbeit nehmen gleichzeitig zu. Es ist deshalb um so wichtiger, frühzeitig nicht kompensierte Erlösminderungen oder Kostensteigerungen zu erkennen um gegenzusteuern. Zu registrieren sind verstärkt unterjährige Veränderungen der Belegung durch Zu- und Abgänge aus den verschiedensten Gründen.

Deshalb ist eine monatliche Betriebsergebnisrechnung für den Produktionsbereich auf dem Hintergrund einer partiellen Deckungsbeitragsrechnung nötig, die in einem Kennzahlensystem leicht interpretierbare Informationen für das Management liefert.

In unseren Werkstättenverband benötigen wir zeitnahe und präzise Aussagen bezüglich der Stärken und Schwächen der einzelnen Einrichtung. Herzstück dieses Systems ist eine Kostenstellenrechnung, die Erträge und Kosten sowohl nach inhaltlichen als auch periodischen Gesichtspunkten abbildet.

Berichtsstruktur, Berichtsaussagen

Ergebnis Betreuung Ergebnis Investitionspauschale
Ergebnis Grundpauschale
Ergebnis Maßnahmenpauschale
Produktion DB I
DB II
DB III
Ergebnis
außerordentlich / neutral  
 
 


Die Ergebnisse werden in den Komponenten (Betreuung, Produktion, a.o.) , deren Diversifikation (Grund-, Invest-, Maßnahmepauschale, DB I - III ) dargestellt und das Produktionsergebnis in einzelne Kostenträgerbereiche (Montage, Gartenbau, Informatik, Nahrungsmittel etc.) aufgespaltet. Daraus lassen sich Maßnahmen zur Gegensteuerung ableiten. Diese Maßnahmen können wie folgt aussehen:

  1. Aufnahme neuer Verhandlungen mit den Kostenträgern für einzelne oder alle Segmente (Pauschalen)
  2. Strenges segmentbezogenes Kostenmanagement
  3. Verlagerung der Produktionsaktivitäten auf deckungsbeitrags- oder ergebnisstarke Produkte bzw. Dienstleistungen
  4. Erkennen von Preisuntergrenzen
Berichtsgenerierung, Datenquellen

Um diese Aussagen treffen zu können, müssen Erträge und Kosten aufgegliedert werden. Die Zuordnung der Erträge gestaltet sich einfach. Betreuungserträge können durch Multiplikation der Betreuungstage in den jeweiligen Hilfebedarfsgruppen (HGB) mit den einzelnen Komponenten (Grund-, Maßnahme-, Investitionspauschale) des Entgelttagessatzes errechnet werden. Umsätze mit anderen Wirtschaftsunternehmen durch Erstellung oder Veredelung von Gütern und der Verkauf von Dienstleistungen sind sowohl konten- als auf kundenmäßig erfaßt.

Alle nicht mit dem operativen Kernauftrag (Betreuung behinderter Menschen / Produktion von Waren und Dienstleistungen) zusammenhängenden Erträge (Spenden, Erbschaften, Zinsen, Erträge aus dem Abgang von AV etc.) fließen in das neutrale, außerordentliche Ergebnis ein.

Die Aufspaltung der Kosten basiert auf der Kostenstellenrechnung (KstR). Durch geeigneten Aufbau ist zu erkennen, welche Bereichskosten (Betreuung, Produktion, a. o. / neutral) der Einrichtung entstehen. Dabei ist darauf zu achten, daß Kosten in der KstR verursachungsgerecht dargestellt werden (interne Kosten- und Leistungsrechnung).

Auf die zeitnahe, periodengerechte Verbuchung ist unbedingt zu achten, da sonst die zeitliche Vergleichbarkeit nicht gegeben ist.

Die Bereichskosten werden dann nach Kostenarten und/oder -gruppen zusammengefaßt. Erstattungen und Zuschüsse werden subtrahiert. Für den Bereich der Betreuung bildet die Abgrenzungsverordnung der Werkstätten die Grundlage der Zurechnung auf die einzelnen Entgeltkomponenten. Bei dem Produktionsbereich sollen zumindest Wareneinsatz, Fertigungskosten durch die Werkstattbeschäftigten, Produktionssupport und restliche Sachkosten (Energie, AFA, Verwaltungs-Anteile etc.) zu erkennen sein. Eine weitergehende Aufgliederung ist jederzeit möglich, darauf wird aber hier verzichtet.

Kennzahlen:

Abgeleitet aus den absoluten Kosten- und Erlöswerten werden die relativen Zahlenwerte gebildet über die Division durch die Zahl der Entgelttage (ET) für das Ergebnis Betreuung und durch die Zahl der tatsächlichen Arbeitstage für das Ergebnis Produktion.

Die Zahl der Entgelttage wird dabei abgeleitet aus der Fakturierung, die Zahl der Arbeitstage (AT) aus der Anwesenheitsliste übergeleitet. So werden belegungs- und strukturelle Veränderungen berücksichtigt und in der relativen Konsequenz sichtbar.

Die Deckungsbeitragsrechnung (DBR) wenden wir nur für das Produktionsergebnis an, um hierüber frühzeitig u. a. auch Informationen über die Entwicklung des Arbeitsergebnisses nach § 12 (4ff) WVO zu erhalten, da uns ein jährlich abgeleitetes Arbeitsergebnis nicht genügt.

Alle Summen und Ergebniswerte pro ET und AT der Ergebnisrechnung sowie betriebswirtschaftliche Daten wie Auslastungsgrad, Betreuungskennziffern, Deckungsquoten, Anteilwerte stellen wir in einer Zeitreihe ein, um Veränderungen erkennbar zu machen.

Mit der Ergebnisauflösung WfbM (Excel, 100 Kb) finden Sie eine Abrechnung für eine Werkstatt mit fingiertem Zahlenmaterial mit einer Übersicht über ausgewählte betriebliche Daten.

Christoph Hosenfeld, Teamleiter Controlling im DiCV Fulda


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