Europa 28.12.04
LABOr Abschlußkonferenz in Dublin
LABOr heißt ein Projekt des Europäischen Dachverbandes der sozialen Dienstleistungsunternehmen (EASPD), bei dem die BAG WfbM ebenfalls Mitglied ist. Ziel von LABOr ist es, die bestehenden Erfahrungen zur Beschäftigung von Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf in den verschiedenen Mitgliedstaaten der EU zu sammeln und in einer Art "Kompetenzzentrum" zusammenzuführen. Damit sollen im wesentlichen vier Zielgruppen angesprochen werden: die von uns vertretene Bevölkerungsgruppe, Arbeitgeber, Anbieter sozialer Dienstleistungen und Leistungsträger der Kommunen. Darüber hinaus ist ein Handbuch erarbeitet worden, das Dienstleistungsanbietern im sozialen Sektor helfen soll, Menschen die Teilhabe am Arbeitsleben nach dem Konzept der Unterstützten Beschäftigung zu ermöglichen.

An dem Projekt wirkten zwölf Organisationen aus neun Ländern mit. Die BAG WfbM begleitete das Projekt als Beraterin. Finanziert wurde das zweijährige Projekt aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.

Vom 7. bis 8. Oktober wurden in Dublin die Ergebnisse der Projektarbeit präsentiert. Es wurden zahlreiche Beispiele aufgezeigt werden, in denen Menschen nur mit Unterstützung einen Arbeitsplatz finden konnten. Interessant waren die rechtlichen und sozialpolitischen Voraussetzungen in den einzelnen Ländern. Diese Rahmenbedingungen entscheiden über eine Anwendbarkeit der vorgestellten Modelle in anderen Ländern. Klar offenbarte sich: Die vorgestellten Vermittlungsbeispiele sind jeweils ein Ergebnis der Beziehungen zwischen den Einrichtungen und kommunalen Organen. Dieses Netzwerk wurde zumeist in jahrelanger Arbeit aufgebaut. Die Übersetzung in andere Bezugssysteme kann deshalb nur bedingt gelingen. Der Austausch von sogenannten "Best-Practice-Modellen" muß also sehr genau betrachtet werden.

Ein weiterer Diskussionspunkt war, daß sich die Beschäftigungsmodelle in den Mitgliedsstaaten generell in zwei Gruppen teilen: Unterstützte Beschäftigung und "geschützte" Beschäftigungsverhältnisse. Zu den letztgenannten zählen die deutschen Werkstätten. Trotz konzeptioneller Unterschiede: im direkten Vergleich sind viele Maßnahmen zur beruflichen Förderung identisch angelegt, unabhängig, in welchem Organisationstyp sie geleistet wurden. Dadurch wird es schwer, Vor- oder Nachteile des Organisationstypus zu bestimmen. Letztlich alle Angebote müßten aufgeschlüsselt werden, um sie vergleichbar zu machen.

In Dublin unterstrich die BAG WfbM die Qualität von Maßnahmen zur Berufsbildung und Berufsförderung, wie sie für den Berufsbildungsbereich konzipiert sind. Im internationalen Vergleich seien eher Maßnahmen zu finden, die dem bekannten System des Arbeitstrainings folgen. Diesen Sachverhalt will die BAG WfbM weiter erforschen, weil er ein Beweis für die berufsfördernde Qualität der Werkstattarbeit ist. Das Recht auf berufliche Bildung in der Werkstatt soll der Kommission für Arbeit und Beschäftigung der Europäischen Union zur Verbindlichkeit vorgeschlagen werden.

Die Bemühungen der Mitgliedsstaaten, die Beschäftigungschancen durch Nachteilsausgleiche zu erhöhen, sind noch nicht im gewünschten Maße erkennbar. Das resümierte Wallis Goelen, die Leiterin der Abteilung für die Integration von Menschen mit Behinderung in der Europäischen Kommission für Arbeit und Beschäftigung. Mit Ausnahme von Deutschland sei die Anzahl von nichtbeschäftigten erwerbsgeminderten Menschen in der EU unbefriedigend. Daß Werkstätten keine Personen vom Arbeitsleben ausschließen wollen, könne ein Grund für dieses positive Ergebnis sein, vermutete Goelen. Die BAG WfbM hat diese Feststellung dankend entgegengenommen und mittlerweile den zitierten Bericht bei der Kommission für Arbeit und Soziales erbeten.

Insgesamt bleiben die Ergebnisse von LABOr für die deutschen Werkstätten schwer übertragbar, weil sie sich eher auf das Konzept der Unterstützten Beschäftigung ausrichten, wie es in den angelsächsischen Ländern praktiziert wird. Auch das im Projekt erstellte Handbuch bietet aus deutscher Sicht nur begrenzten praktischen Nutzen.

Die Ergebnisse sind aber für deutsche Werkstätten aus einer anderen Richtung interessant. Als Informationsbasis erläutert das Kompetenzzentrum viele Aspekte, die sonst in mühevoller Recherche erarbeitet werden müssen. Da das Kompetenzzentrum über die Internetseite des LABOr-Projektes zu erreichen ist, bleiben zeitintensive Arbeiten erspart. Ebenso sind auf der Internetseite Links zu weiteren Organisationen in anderen Ländern zu finden. Ein Besuch der Internetseite lohnt sich allemal.

LABOR: http://www.start-labor.org externer Link
und weiterführende Informationen:
EASPD: http://www.easpd.org/ externer Link


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