Bildung 19.03.05
Qualitätssprung durch staatliche Abschlußprüfung der SPZ
Dr. Rainer B. Brackhane

Nach langjähriger Tätigkeit in der Sonderpädagogischen Zusatzqualifikation (SPZ) für Werkstatt-Personal arbeite ich seit etwa zwei Jahren mit an der Vorbereitung und Durchführung von Fachkraft-Prüfungen im Sinne der Rahmenverordnung von 25.06.01. Als erste Erfahrungen im Sinne einer Zwischenbilanz kann ich dazu feststellen, daß die staatlichen Abschlußprüfungen klar einen Qualitätssprung mit sich gebracht haben, und zwar auf mehreren Ebenen:

  1. 1. Für die Teilnehmer|innen, Absolvent|inn|en:

    Die weitaus meisten Teilnehmer|innen haben für sich erarbeiten können, zielgerichteter und auch selbstbewußter zu arbeiten. Sie nehmen nicht nur "Stoff" zur Kenntnis - so interessant und wichtig der auch immer sein mag -, sondern ordnen ihn von vornherein besser in das eigene Lernzielgerüst ein. Insbesondere eine frühzeitige Ausrichtung auf Praxisprojekte - also auf die Verbindung von Lehrgangs-Inhalten mit der eigenen Arbeit - macht ein sinnvolleres und konkreteres Lernen möglich. (Es gab auch früher schon sehr gute Projekt- und Abschlußarbeiten, aber sie wurden doch eher isoliert durchgeführt und sollen gelegentlich nicht einmal von den entsendenden Werkstätten zur Kenntnis genommen worden sein.) Außerdem wissen die Teilnehmer|innen, daß sie am Ende der Qualifizierung nicht einfach "Gruppenleiter mit SPZ" sind, sondern "geprüfte Fachkräfte", die von sich sagen können, was sie können, und dies vielleicht auch aktiver und mutiger als bisher in ihren Werkstatt-Alltag einbringen. Die staatliche Beteiligung (Kontrolle) an den Prüfungen hilft hier ganz wesentlich; aus der Sicht der Teilnehmer|innen weniger im Sinne einer Kontrolle, eher als Prestigegewinn und verbunden mit dem Anspruch, die eigenen Anstrengungen zu erhöhen. Es ist eben keine eher "interne" SPZ mehr, sondern alles ist "offiziell".

  2. Für die Werkstätten:

    Die staatliche Verankerung hilft in ähnlichem Sinne auch den Werkstätten. Sie haben eine bessere Chance als bisher, die Qualifizierung ihres Personals als Bereicherung zu sehen. Sie verfügen nach den Prüfungen über Fachpersonal, das nicht nur eine Menge weiß, sondern gelernt hat, Wissen mit der eigenen Arbeit zu verbinden und zielgerichtet nutzbar zu machen, das vorhandene Grundlagen und Fähigkeiten auch zu aktualisieren vermag. Erworbenes Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten basieren dabei auf allgemein festgelegtem Standard. Hier gibt es auch durchaus noch Verbesserungsmöglichkeiten im "Trialog", etwa in Form von Zielvereinbarungen zwischen Werkstätten, Teilnehmer|innen und Anbietern.

  3. Für Anbieter und Referent|innen:

    Auch Anbieter und Referent|innen sind gehalten, ihre SPZ-Qualifizierungen zu verbessern, damit sie den Grundlagen der Prüfung umfassend entsprechen. Das Angebot wird infolge der verstärkten externen Nachfragen besser reflektiert und diskutiert. Leistungen der Teilnehmer|innen werden sorgfältiger beobachtet und kritischer bewertet. Auch eigene Leistungen erfolgen nicht mehr einfach nach bestem Wissen und Gewissen, sondern sie werden zusätzlich hinterfragt und an Standards gemessen. Es gibt - zahlreicher und häufiger als früher - Referenten-Konferenzen, Lehrplan-Aktualisierungen, Arbeitsgruppen, Glossare zum gemeinsamen Begriffsverständnis, Gliederungshilfen und vieles andere mehr. Es gibt konkrete Außenbezüge, die es Anbietern und Referent|innen nahe legen, sich noch stärker als bisher als Dienstleister zu sehen - und die Qualifizierung auch danach auszurichten. Kurzum: Viele Fachleute arbeiten seit Jahren an einer Verbesserung der SPZ, aber die Prüfung hat dem ganzen Prozeß eine Richtung und Verbindlichkeit gegeben, die wir mit den bisherigen Mitteln nicht erreicht haben.


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