Arbeitswelt 18.07.07
Marktfähigkeit und Verkaufsmöglichkeiten
Begriffe wie Design, Funktionalität und Qualität lassen sich inzwischen auch auf Produkte aus Werkstätten anwenden. Doch wie kann man diese hochwertigen Erzeugnisse noch bekannter machen, wie kann man sie markt- und konkurrenzfähig machen?

Viele Werkstätten produzieren inzwischen Nützliches und Witziges für Haushalt und Büro, oder auch sortenreine Kaffees, Antipasti, erlesene Öle, Wein oder Sekt. Diese Waren erfolgreich zu verkaufen, ist das Ziel des Projekts werkstatt-design. Im Shop „Culinaria“ werden in der Galeria Kaufhof am Nürnberger Aufseßplatz exklusiv in Deutschland Produkte angeboten, die hinsichtlich Originalität, Funktion und Qualität mit Produkten von Anbietern außerhalb der Werkstätten messen können. In Zusammenarbeit mit jungen Designern entstehen in zahlreichen Werkstätten Produkte, die technisches Potential und handwerkliches Können unter Beweis stellen. Viele dieser Erzeugnisse haben auch schon Designpreise erhalten.

Doch bleibt die Frage bestehen, wie diese Produkte besser vermarktet werden können. Zu diesem Zweck trafen sich auf der Werkstätten:Messe 2007 Thomas Cattany, Geschäftsführer werkstatt-design, Nürnberg, Bernd Engelbert, Geschäftsführer des Kaufhof am Aufseßplatz, Nürnberg, Alfred Heitauer, Werkstattleiter der Inntal-Werkstätten Wasserburg und Werner Block, Geschäftsführer der Genossenschaft der Werkstätten (GDW), Sindelfingen. Moderiert wurde die Runde von Lisa Maria Franke, Geschäftsführerin der bayern design GmbH.

Zunächst erläuterte Thomas Cattany die Idee des werkstatt-design: „Wir wollen zeigen, daß aus Werkstätten fantastische Produkte kommen. Sie sind arbeitsaufwendig gefertigt und solide, aus ihrer Funktion heraus materialgerecht gestaltet und daher schön. Sie werden aus klassischen Materialien wie Metall, Holz oder Glas hergestellt und sind langlebig, reparierbar und damit umweltverträglich. Im Bereich „Culinaria“ werden hauptsächlich Nahrungsmittel aus biologischem Anbau mit Bioland Zertifizierung verwendet”. Um diese Produkte einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen, wurde das Projekt werkstatt-design ins Leben gerufen.

Doch ist das auch auf andere Werkstätten übertragbar? Für Alfred Heitauer stellt vor allem die Organisation eines passenden Vertriebs ein Problem dar: „Da brauchen die Werkstätten Hilfe von außen. Und die Kosten müßten über den Erlös wieder hereinkommen.“ Auch das Soziale sollte seiner Meinung nach nicht zu sehr im Vordergrund stehen, sondern Qualität, Schönheit und Langlebigkeit. „Es sind ja sehr hochwertige, designorientierte Produkte.”

Für Werner Block ist „die Grundidee nicht schlecht”. Die kontinuierliche Materialbeschickung könnte sich seiner Meinung nach aber schwierig gestalten. Auch die kostenaufwendige Organisation eines Vertriebsweges könnte problematisch sein. Zudem müsse die Produktvielfalt der Werkstätten auf ihre Marktfähigkeit geprüft werden. Das wäre jedoch mit einem hohen Aufwand verbunden. „Wir brauchen jemanden, der das bündelt, dem man Produkte schicken kann, und der diese dann für uns überprüft”, schlug Alfred Heitauer vor.

Um weiter voranzukommen, müßten die Vermarktungsfähigkeit der Produkte kontinuierlich getestet und viele Organisationsstränge gebündelt werden, konnte Lisa Maria Franke als Zwischenbilanz festhalten. Kaufhof-Chef Bernd Engelbert bekräftigte seine Zusage, sich bei einer erfolgreichen Durchführung des Projektes dafür einzusetzen, werkstatt-design auch in anderen Kaufhoffilialen zu plazieren.

Bei werkstatt-design sind zurzeit 20 Werkstätten unter Vertrag, ein Viertel davon aus Bayern. Um gute Produkte zu finden, sei er derzeit noch allein auf die Sichtung und Bestellung auf der Messe angewiesen, so Thomas Cattany. Entscheidende Auswahlkriterien sind vor allem gutes Design, die Marktfähigkeit des Produktes und eine gute Preiskalkulation auch für den Wiederverkäufer. Er wünscht sich, daß noch mehr Werkstätten mitmachen und noch besser eingebunden werden. Dabei helfen könnte, so Werner Block, ein umfassendes Marketingkonzept mit einer einheitlichen Marke wie z. B. werkstatt-design. Auch einheitlich gestaltete „Werkstattläden“ wären sinnvoll.

Alle Beteiligten waren sich einig, daß Thomas Cattany einen sehr interessanten Vertriebsweg anbietet. „Am besten wäre natürlich, Herr Cattany käme gleich mit einem Auftrag. Und vielleicht sollten die Werkstätten die Zusammenarbeit mit Designern weiter verstärken, damit immer wieder etwas Neues in den Regalen steht”, erklärte Werner Block. Als Fazit regte Lisa Maria Franke Visions-Workshops an, in denen Designtrends und deren Umsetzbarkeit durch die Werkstätten diskutiert werden könnten.


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