Panorama 22.07.07
Keine Besen - Werkstätten wollen mit Qualität punkten
Die Deutsche Presseagentur dpa schrieb: Es ist ein kleiner, aber eigentlich ganz normaler Supermarkt, dieser CAP-Markt in der Ortsmitte von Renningen- Malmsheim im Kreis Böblingen. Aber dann fällt auf, daß immer mal wieder ein Mitarbeiter einen ihm unbekannten Kunden durch die Gänge eindringlich anstarrt. Und dann wiederum schaut der Kunde verwundert zurück und ihm schwant, daß das ganze Personal um ihn herum eine geistige Behinderung hat. Aber genau das ist das Konzept dieses Supermarkts: Mehr als die Hälfte der Angestellten im Markt ist körperlich oder geistig behindert.

Die CAP-Märkte, (CAP steht für Handicap oder Behinderung), von denen es in Baden-Württemberg mittlerweile 26 Einrichtungen gibt, sind nur ein Beispiel von vielen innovativen Beschäftigungskonzepten für behinderte Menschen im Land. „Eigentlich ist es ganz einfach, Menschen mit Behinderungen in Dienstleistungsberufen einzusetzen“, sagt Sabin Lehmann, Leiterin des „Café Samocca“ in Aalen. „Man muß Arbeitsgänge nur so aufspalten, daß sie nicht mehr komplex, sondern ganz einfach sind.“

Daß dieses Prinzip wirklich funktioniert, beweisen die 16 behinderten Mitarbeiter in dem Aalener Café mit eigener Rösterei täglich. Die Bestellung notiert der Kellner beispielsweise nicht auf einen Block, sondern bekommt vom Gast einen Zettel, auf dem das Gewünschte in einer Tabelle angekreuzt ist. So können keine Fehler passieren, wenn die Bestellung aufgenommen wird und das nehme den behinderten Mitarbeitern die Angst, sagt Sabin Lehmann.

Für sie, die das Konzept vor rund sechs Jahren mitentwickelt hat, sei es wichtig gewesen, Qualität und für Aalen etwas wirklich Innovatives zu bieten ¬ auch um nicht etwa dem Vorwurf Nahrung zu geben, hier solle gewissermaßen auf die Mitleidstour Geschäft gemacht werden. „Wir wollen genauso professionell arbeiten wie jedes andere Unternehmen auch.“ Besonders wichtig sei ihr die Rösterei gewesen, erinnert sich die Caféhausleiterin. „So etwas gab es in Aalen noch nicht und wir hatten das Gefühl, daß guter Kaffee aus kleinen Röstereien unheimlich im Kommen ist.“ Die Aalener haben sich kürzlich sogar den Titel eines deutschen Meisters im Kaffeerösten erkämpft.

Qualität statt Mitleid ¬ so versucht sich auch das Projekt Loony Design mit Werkstätten in ganz Baden-Württemberg am Markt zu behaupten. Loony vertreibt zum Beispiel witzige Garderoben oder puristische Salz- und Pfefferstreuer, die in Werkstätten nach Entwürfen von Designstudenten der Stuttgarter Kunstakademie gebaut werden. „Wenn wir neue Produkte für Loony auswählen, müssen sie das Gefühl vermitteln, daß es sich um etwas Pfiffiges, wirklich Gebrauchsfähiges handelt, das es so noch nicht gibt“, sagt Günther Knauthe, Sprecher des Projekts.

Loony-Design vermittelt nur im Hintergrund die Tatsache, daß es sich bei den Produkten um Arbeiten aus Werkstätten handelt ¬ und das ganz bewußt. „Wir wollen einfach verhindern, daß die Leute sagen: Oh Gott, die armen Behinderten, das nehme ich einfach mal mit“, erläutert Knauthe das Konzept. Tatsächlich wird lediglich auf einer Art kleinem Beipackzettel zu den Produkten erklärt, wer die Sachen herstellt. Überhaupt dürfe man nicht erwarten, daß das Werben um Mitleid Kunden auf Dauer dazu anrege, Werkstattprodukte zu kaufen.

Dennoch es ist nicht nur die solide Qualität und der besondere Service, die diesen Projekten das wirtschaftliche Überleben sichern, sagt Werner Block, Genossenschaft der Werkstätten. „Wir nutzen eben auch systematisch die Fördermittel für die Beschäftigung behinderter Mitarbeiter.“ Aber diese Förderung, gibt er zu bedenken, stehe ja jedem anderen Unternehmen am Markt genauso zu. Derlei öffentlichkeitswirksame Beschäftigungsprojekte scheinen wirklich dazu beizutragen, daß behinderte Menschen öfter einen Job im ersten Arbeitsmarkt angeboten bekommen: In Aalen beispielsweise hat ein Teeladen sich entschieden, einen behinderten Mann aus dem „Samocca“ einzustellen.

Von Barbara Scheiter, dpa

(Internet: loony-design.de externer Link , samocca.de externer Link, cap-markt.de externer Link)


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