Europa 05.02.08
Mit Behinderung deutlich schlechtere Jobchancen
Eine Studie der europäischen Union (EU) brachte es an den Tag: Menschen mit Behinderungen haben besonders in Deutschland schlechte Karten auf dem Arbeitsmarkt. In der vergleichenden Studie mit siebzehn weiteren EU-Mitgliedsstaaten schneidet Deutschland besonders deprimierend ab in der Kategorie: „Arbeitslosigkeit von Männern und Frauen (...) mit Hochschulbildung nach Einschränkungsart“. Hier befindet sich Deutschland an viertschlechtester Stelle. Von allen hochqualifizierten behinderten Menschen erhalten siebzehn Prozent weniger eine Stelle als vergleichbar qualifizierte Menschen ohne Benachteiligungen. In Österreich oder Schweden hingegen beträgt der Unterschied rund neun Prozentpunkte.

Grundsätzlich haben es behinderte Menschen in der gesamten Union schwerer, einen Zugang in den Arbeitsmarkt zu bekommen. Das betrifft alle Bildungsabschlüsse. EU-weit haben behinderte Menschen mit einem höheren Bildungsabschluß lediglich achtundvierzig Prozent einen Job im Vergleich zu den fünfundachtzig Prozent bei Menschen ohne Benachteiligungen.

Norwegen und Schweden heben sich hiervon positiv ab. Die Arbeitslosenraten weisen keinen Unterschied zwischen Menschen mit oder ohne Behinderungen auf. Im Gegenteil ist bei behinderten Menschen mit Hochschulabschluß die Rate sogar etwas niedriger als bei Menschen ohne Benachteiligungen mit Hochschulabschluß. Eine positive Arbeitsmarktsituation gibt es auch in Belgien. In Tschechien, Ungarn und Deutschland befanden sich unter behinderten Menschen verhältnismäßig mehr Arbeitslose als unter Menschen ohne Benachteiligungen. Die Autoren der Studie betonen, daß physische oder mentale Einschränkungen nicht nur die Wahrscheinlichkeit auf eine Anstellung senkten, sondern ebenso die Chance, daß jemand von sich aus aktiv nach Arbeit sucht.

Hierzulande gibt es rund 6,6 Millionen amtlich anerkannte behinderte Menschen, mehr als die Hälfte von ihnen im erwerbsfähigen Alter. Nach einer Erhebung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gibt es besonders unter den 45- bis 55-jährigen schwerbehinderten Menschen eine hohe Arbeitslosenrate: siebenundreißig Prozent im Jahr 2006, im Vergleich zu zehn Prozent bei Menschen ohne Benachteiligungen. Öffentliche Arbeitgeber bieten bessere Chancen als Unternehmen aus der Privatwirtschaft.

Vorurteile seien das Hauptproblem, sagt Hans-Joachim Krahl von der BAG Selbsthilfe. „Unternehmer haben Angst, daß behinderte Menschen häufiger krank würden, oder daß sie nicht dieselbe Leistung erbringen wie ihre nichtbehinderten Kollegen.“ Dabei sei es wie bei allen anderen Arbeitnehmern auch, sagt Krahl, der auch Unternehmensberater ist: „Wer sich wohl fühlt in der Arbeit, fällt seltener aus.“ Krahl selbst hat mit einer starken Sehbehinderung ein Wirtschafts-Ingenieur-Studium abgeschlossen. Mit dem zunehmenden Druck am Arbeitsmarkt seit Mitte der 1990er Jahre habe sich die Situation insgesamt verschlechtert, so Krahl.


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