Europa 11.11.08
Bericht über die Situation behinderter Menschen in Österreich vorgestellt
Die österreichische Bundesregierung ist dazu verpflichtet, in regelmäßigen Abständen einen Bericht über die Lage von behinderten Menschen in Österreich zu erstellen. Nach dem ersten Bericht aus dem Jahre 2003 erstellte das Bundesministerium für Soziales und Konsumentenschutz (BMSK) in Kooperation mit den anderen Bundesministerien nun den zweiten Bericht, eine umfangreiche Dokumentation über die Situation von Menschen mit Behinderungen in Österreich.

Dieser Bericht umfaßt auf 280 Seiten einen nach Lebens- und Sachbereichen gegliederten Überblick über die aktuellen behindertenpolitischen Entwicklungen und Tendenzen der Jahre 2003 bis 2008. Der Behindertenbericht bietet neben einer Darstellung der rechtlichen und strukturellen Grundlagen auch viele praktische Informationen und kann daher Menschen mit Behinderungen sowie dem Fachpublikum als wertvolles Nachschlagewerk dienen.

Der Bericht wird, wie im Regierungsprogramm 2007 beschlossen, künftig alle zwei Jahre erscheinen und – wie auch in der ersten Ausgabe 2003 – speziell für Menschen mit Lernbehinderungen in einer „Leichter Lesen“-Version veröffentlicht werden.

Hochgerechnet haben ca. 630.000 Personen eine starke Beeinträchtigung bei der Verrichtung alltäglicher Arbeiten, die mindestens schon 6 Monate andauert (behinderte Menschen im engeren Sinn). Hinzu kommt, daß rund eine Million Menschen chronisch krank sind, ohne eine starke Beeinträchtigung bei der Verrichtung von alltäglichen Arbeiten zu haben. Insgesamt leben also in Österreich rund 1,6 Millionen Menschen mit Behinderungen im weiteren Sinn.

Nach den Ergebnissen der EU-SILC-Erhebung sind die mit Abstand häufigsten dauerhaften Beeinträchtigungen Probleme mit der Beweglichkeit. Ca 1 Million Personen, das sind 13 % der österreichischen Bevölkerung in Privathaushalten, sind davon betroffen. Rund 3,9 % der Bevölkerung haben Probleme mit dem Sehen, 2,5 % mit dem Hören. Ebenfalls 2,5 % der Bevölkerung haben psychische Probleme, geistige Probleme oder Lernprobleme betreffen ca. 1 %.

Im Rahmen der Studie wurden auch einige Daten zur sozioökonomischen Situation von Personen im erwerbsfähigen Alter (16–64 Jahre) erhoben, die eine starke Beeinträchtigung bei der Verrichtung alltäglicher Arbeiten angaben. Hierbei stellte sich heraus, daß Menschen mit Behinderungen häufiger alleine leben als nicht behinderte Menschen und auch häufiger belastenden Wohnverhältnissen ausgesetzt sind, wie etwa Lärm, Feuchtigkeit, Überbelag.

Das Niveau der Bildungsabschlüsse ist sehr unterschiedlich. Nur 18 % der nicht behinderten Bevölkerung haben als höchste abgeschlossene Ausbildung lediglich einen Pflichtschulabschluß, bei Menschen mit Behinderungen sind es hingegen 38 % (Daten für Personen zwischen 24 und 64 Jahren).

Der Prozentsatz der Erwerbstätigkeit von behinderten Menschen liegt deutlich unter dem der Gesamtbevölkerung. So ist die Beschäftigungsquote der Menschen, die eine starke Beeinträchtigung bei der Verrichtung alltäglicher Arbeiten haben, um die Hälfte niedriger als die der nichtbehinderten Menschen (34 % zu 67 %). Dies spiegelt sich auch in den Bruttowerwerbseinkommen wieder. Anteilsmäßig erhalten mehr Menschen mit Behinderungen Bruttoerwerbseinkommen unter 1.000 € monatlich als nichtbehinderte Personen (23 % zu 18 %).

Die Armutsgefährdung von behinderten Personen ist mit 20 % fast doppelt so hoch wie die von nicht behinderten Personen (11 %). Die höhere Armutsgefährdung von Menschen mit Behinderungen hängt vor allem mit der geringeren Erwerbseinbindung, geringeren Erwerbseinkommen und den Folgen der fehlenden oder schlechteren beruflichen Position für die Berechnung der Pensions- und Sozialleistungen zusammen (Daten für Personen über 16 Jahren).

Sozialleistungen reduzieren die Armutsgefährdung deutlich. Gäbe es keine Sozialleistungen, so würden 59 % der behinderten Männer und 61 % der behinderten Frauen im erwerbsfähigen Alter unter der Armutsgefährdungsschwelle leben. Durch die Sozialleistungen reduziert sich die Quote der armutsgefährdeten Personen auf 18 % (Männer) bzw. 24 % (Frauen).

Die Statistik Austria hat 2007 in einer vom BMSK in Auftrag gegebenen Studie (Mikrozensus-Zusatzfragen 2007) auch nach der subjektiven Einschätzung von Benachteiligungen aufgrund einer Behinderung gefragt. Gefragt, in welchen Bereichen aufgrund einer Behinderung ständig Probleme bestehen (Antwortkategorie „ja immer“), gaben 21,2 % an, im Freizeitbereich ständig Probleme zu haben. An zweiter Stelle stand der öffentliche Verkehr (16,1 %), gefolgt von ständigen Problemen in Wohnung und Haus (12,6 %) und in der Arbeit (11,1 %).

Die Beschäftigungssituation begünstigt behinderter Menschen kann mit einem positiven Trend aufwarten. Im Jahr 2007 konnte eine Erwerbsquote unter den begünstigt behinderten Menschen von 67 Prozent erreicht werden, welches den höchsten Beschäftigungsanteil dieser Personengruppe darstellt. Die Verschärfung der bestehenden Probleme für behinderte Menschen am Arbeitsmarkt durch den Einbruch der Konjunktur stellt eine Herausforderung für zukünftige politische Maßnahmen dar. Hier müsse mit Bewußtseinsarbeit, monetären Anreizsystemen und weitergehenden Innovationen gegengesteuert werden, stellt Sozialminister Buchinger fest.


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