Panorama 20.02.19
Mit Poka Yoke zum inklusiven Handarbeitsplatz
Intelligenter Handarbeitsplatz- gemeinsame Projekt von Handke Industrie-Technik und Mitsubishi Electric zusammen mit dem Martinshof Bremen
Intelligenter Handarbeitsplatz- gemeinsame Projekt von Handke Industrie-Technik und Mitsubishi Electric zusammen mit dem Martinshof Bremen
© Mitsubishi Electric Europe B.V.
Manuelle Handarbeit von Menschen mit Behinderungen trifft moderne Automatisierung – so lautet das Motto des gemeinsamen Projektes von Handke Industrie-Technik und Mitsubishi Electric. Denn Handarbeitsplätze sind zwar flexibel und individuell, aber oft auch anfällig für Fehler. Schnell ist in die falsche Kiste gegriffen oder ein Schritt vergessen. Dies soll sich mit der Lösung der beiden Unternehmen ändern. Denn sie haben sich zusammengetan und einen intelligenten Handarbeitsplatz entwickelt, der eine Null-Fehler-Quote verspricht. Dabei orientierten sich die Entwickler am japanischen Prinzip Poka Yoke, zu Deutsch „unglückliche Fehler vermeiden“. Seit vergangenem Jahr kommt der intelligente Arbeitsplatz auch beim Martinshof, einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) in Bremen, zum Einsatz. So können auch Menschen mit Behinderungen komplexe Montageprozesse gemäß neuester wirtschaftlicher Standards ausführen. Vorgestellt wird die Innovation auf der Werkstätten:Messe 2019, die vom 27. bis 30. März 2019 im Messezentrum Nürnberg stattfindet.

„Wir haben diese automatisierte Lösung gewählt, weil wir vorher Fehlerbilder hatten, die wir vermeiden mussten“, so Miriam Berger, verantwortlich für Arbeitsvorbereitung bei der Werkstatt Bremen, zu der auch der Martinshof gehört. Die Werkstatt ist unter anderem für die Automobilindustrie tätig und montiert Drehstäbe, die als Stabilisatoren in Kraftfahrzeugen dienen. In diesem Bereich arbeitet der Martinshof bereits seit vielen Jahren mit Handke zusammen. Das Unternehmen richtet für die Werkstatt die Handarbeitsplätze ein.

Geführte Bedienung durch den gesamten Montageprozess
Die Elektrik kommt von Mitsubishi, die Mechanik von Handke und zusammen haben sie eine Lösung aus einer Hand entwickelt, die sich individuell und flexibel auf die jeweiligen Bedürfnisse anpassen lässt. Das Besondere an den Handarbeitsplätzen ist der dort integrierte Poka Yoke Controller. Die Montageplätze verfügen über Sensoren, die mit Kameras und Barcode Scannern kombiniert werden und den Bediener aktiv durch den gesamten Produktionsprozess führen. Vorab wird eine Montageabfolge festgelegt. Erst wenn ein Arbeitsschritt korrekt ausgeführt wurde, kann der nächste folgen. Zentrales Element sind dabei die intelligenten Klapptüren. Durch ein Lichtsignal wird dem Beschäftigten angezeigt, in welchen Behälter er als nächstes greifen muss. Für diesen Schritt wird ihm dann auch nur auf dieses Behältnis Zugriff gewährt, um Fehlgreifen zu vermeiden. Zusätzlich sind Bildschirme an den Arbeitsplätzen angebracht, die visuell Arbeitsanweisungen geben und anzeigen, wie die einzelnen Prozessschritte auszuführen sind. Am Ende wird eine Qualitätskontrolle vorgenommen, um sicher zu gehen, dass alle Montageschritte richtig befolgt wurden.

Inklusion als Innovationstreiber
Der Einsatz des intelligenten Arbeitsplatzes ist aus dem Bedürfnis heraus entstanden, die Arbeits- und Montageprozesse für Beschäftigte in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) zu erleichtern. „Das Ziel bei der Implementierung war, dass wir eine große Bandbreite von Mitarbeitern daran einsetzten können, weil wir Mitarbeiter mit geistigen Behinderungen und Mitarbeiter mit körperlichen Behinderungen haben und die sollen alle gemeinsam an diesen Anlagen arbeiten können“, erklärt Miriam Berger.

Damit steckt in dem intelligenten Handarbeitsplatz großes Potential. Dieser ermöglicht auch Menschen mit größerem Hilfebedarf eigenständig Arbeitsprozesse und komplexe Montageschritte auszuführen und ist damit ein wichtiger Schritt in Sachen Inklusion. Zudem können solche Arbeitsangebote in Werkstätten als Vorbild für inklusive Beschäftigungsformen von Menschen mit Behinderungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt dienen.

Auf der Werkstätten:Messe wird Inklusion erlebbar gemacht
Auf der Werkstätten:Messe 2019 stellt Handke zusammen mit Mitsubishi ihren intelligenten Handarbeitsplatz einem breiten Publikum vor. An ihrem Stand bauen die Unternehmen den Handarbeitsplatz für die Besucher auf. Diese können dann selbst einmal Hand anlegen und den Montageplatz vor Ort testen.

Mit dem Stand wird Handke und Mitsubishi auch Teil des neu geschaffenen Innovations:Forums sein. In einem Vortrag wird das Unternehmen aus der Praxis berichten und die Funktionsweise sowie den Einsatz des fehlerfreien Handarbeitsplatzes genauer vorstellen.

Messeneuheit Innovations:Forum
Das Innovations:Forum feiert auf der Werkstätten:Messe 2019 Premiere und steht unter dem Motto „Digitalisierung und ihre Chancen für die Werkstätten“. Hier können sich die Messebesucher bei Vorträgen zu den unterschiedlichen Aspekten der Digitalisierung informieren. Die Präsentationen gewähren Einblicke in Forschung und Entwicklung, zeigen aber ebenfalls konkrete Praxisbeispiele, wie den fehlerfreien Handarbeitsplatz von Handke und Mitsubishi.

Neben den Vorträgen präsentieren verschiedene Aussteller ihre Projekte rund um das Thema Digitalisierung. Hier haben die Messebesucher die Gelegenheit, mehr über die vorgestellten Projekte zu erfahren, interessante Gespräche zu führen und auch die eine oder andere technische Neuerung auszuprobieren. Die Beiträge im Innovations:Forum finden täglich jeweils um 9:30 Uhr, 10:45 Uhr, 12:00 Uhr, 13:15 Uhr, 14:30 Uhr und 15:45 Uhr statt.
Mehr dazu finden Sie unter https://www.werkstaettenmesse.de/de/events externer Link


 


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