Bundesweiter Aktionstag "Schichtwechsel" 25.12.19
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Der nächste bundesweite Aktionstag findet am 17. September 2020 statt.
© BAG WfbM
In den Werkstätten arbeiten Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen – selbstverständlich, Tag für Tag. Dabei steht der Mensch mit seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten im Mittelpunkt. Hier wird die Arbeit an den Menschen angepasst und nicht umgekehrt.

Werkstätten sind jedoch auch Orte der wirtschaftlichen Innovation und Kreativität, in denen ein breites Spektrum von Dienstleistungen und Produkten entsteht – vom zertifizierten A-Lieferanten der Automobilindustrie bis hin zur eigenen Bonbon-Manufaktur.

Nur wenige haben eine Vorstellung von den Leistungen, die hier erbracht werden. Das wollen wir ändern. Der beste Weg, um Vorurteile abzubauen, ist häufig das eigene Erleben bzw. die eigene Erfahrung. Mit dem Aktionstag SCHICHTWECHSEL am 17. September 2020 laden wir alle ein, den Arbeitsplatz zu tauschen und die Werkstätten für behinderte Menschen und die Beschäftigten näher kennenzulernen.

Inklusiver Arbeitsplatztausch
Faktura Berlin Schichtwechsler Volker Wieprecht von Radio Eins 2018.
Faktura Berlin Schichtwechsler Volker Wieprecht von Radio Eins 2018.
© Holger Gross / LAG WfbM Berlin
Für einen Tag tauschen Mitarbeitende aus Unternehmen ihren Arbeitsplatz mit Beschäftigten der Werkstätten. Mitarbeiter*innen aus Unternehmen ermöglicht der Aktionstag Begegnungen mit den Menschen in den Werkstätten, Einblicke in die Vielfalt der Produkte und Dienstleistungen und ein Mitwirken in den vielseitigen Arbeitsprozessen. Die Beschäftigten der Werkstätten schnuppern gleichzeitig in Berufsfelder des allgemeinen Arbeitsmarkts und lernen ein Unternehmen für einen Tag näher kennen. Damit können auch aufseiten der Beschäftigten Vorurteile, dass sie für den allgemeinen Arbeitsmarkt nicht geeignet seien, abgebaut werden.

Teilnehmende beim Schichtwechsel 2018 in Berlin
Teilnehmende beim Schichtwechsel 2018 in Berlin
© Holger Gross / LAG WfbM Berlin
Bundesweiter Aktionstag
Nachdem die Landesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (LAG WfbM Berlin) zusammen mit den Berliner Werkstatträten in den letzten beiden Jahren erfolgreich den Aktionstag „Schichtwechsel“ etabliert haben, wurde das Berliner Konzept nun bundesweit durchgeführt. Der erste bundesweite Schichtwechsel fand am 24. Oktober 2019 statt.
Die BAG WfbM unterstützt die teilnehmenden Einrichtungen mit einem Materialpaket zur Organisation und Durchführung des Aktionstages. In dem Materialpaket sind Anleitungen und Organisationskonzepte sowie Templates für Werbematerialen enthalten. Die BAG WfbM begleitet den Aktionstag in der öffentlichen Kommunikation und steht den teilnehmenden Werkstätten beratend zur Seite.

Rückblick
Rund 700 Menschen mit und ohne Behinderungen verließen am 24. Oktober 2019 ihre Komfortzone. Einen Tag lang überließen sie ihren eigentlichen Arbeitsplatz einer anderen Person und erlebten Arbeit aus einer neuen Perspektive. 36 Werkstätten für behinderte Menschen und mehr als 140 Organisationen und Unternehmen aus neun Bundesländern beteiligten sich am bundesweiten Aktionstag Schichtwechsel 2019. Wer nicht selbst den Arbeitsplatz tauschte, war als Gastgeber*in und Expert*in dabei und betreute die externen Tauschpartner*innen. Die Werkstätten, die teilgenommen haben, finden Sie hier.

Die Schichtwechsler*innen

Mit gutem Beispiel voran gegangen ist das BMAS. 18 Mitarbeitende des BMAS und sieben Beschäftigte aus Berliner Werkstätten erlebten einen 'Sichtwechsel'.
© BMAS
Berliner Werkstätten und BMAS
Sieben Berliner Werkstattbeschäftigte wurden vom Bundesminister für Arbeit und Soziales, Hubertus Heil, höchstpersönlich im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) begrüßt: „Als Arbeitsminister kommt es mir darauf an, Inklusion im Bereich Arbeit voranzubringen. Und Projekte wie der Schichtwechsel fördern das gegenseitige Verständnis und helfen dabei.“ Anschließend lernten die Schichtwechsler*innen die Arbeit in den verschiedenen Abteilungen des BMAS kennen. Zeitgleich waren 18 Mitarbeitende des Bundesministeriums in Werkstätten unterwegs. Laut BMAS war es 2019 zum ersten aber bestimmt nicht zum letzten Mal beim Schichtwechsel dabei.

Schichtwechsel Hertha BSC und Lwerk
Robert Matz bot den Hertha-Spielern Einblicke in seine Arbeit in der Fahrradwerkstatt.
© Holger Gross
FSD Lwerk und Hertha BSC
Hand anlegen durften drei Spieler des Fußballvereins Hertha BSC. Per Skjelbred, Alexander Esswein und Niklas Stark waren zu Gast in der Fahrradwerkstatt des FSD Lwerk. Dort lernten die Fußballprofis, wie man einen Schlauch auswechselt und eine Bremse einstellt. Im Gegenzug tauschten 40 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz gegen den Rasen ein und erlebten ein Training der Extraklasse.

Doch dabei ist es nicht geblieben. Bei Hertha BSC geht der Schichtwechsel bis zum Ende der Saison weiter. Bei jedem Heimspiel der Hertha BSC im Olympiastadion Berlin helfen Beschäftigte der Berliner Werkstätten in den Bereichen Einlass, Fanartikelverkauf und VIP aus.

Schichtwechsel Integral e. V. und Dance Discounter
Neue Erfahrungen und Kontakte sammelten die drei Beschäftigten des Integral e. V. beim Schichtwechsel in der Tanzschule.
© Integral e. V.
Integral e. V. und Dance Discounter-Tanzschule Seefeldt
Sarah Heinitz, Sinan Sarpkaya und Vanessa Ratzmer: Alle drei sind Beschäftigte des Integral e. V. Sie haben in der Dance Discounter-Tanzschule bei der Vorbereitung der Räume für die Tanzkurse geholfen und die Tanzschüler*innen empfangen und betreut. Die Frage, ob sie sich vorstellen könnten, dauerhaft an dem Tauscharbeitsplatz zu arbeiten, beantworteten sie ganz unterschiedlich.

Sarah Heinitz: „Nein. Ich bin noch nicht soweit für immer dort zu arbeiten. Meine Ausdauer reicht für solche Aufgaben noch nicht aus. Die Abwechslung war für mich sehr gut, und von Zeit zu Zeit würde ich mich über solch eine neue Erfahrung freuen.“

Sinan Sarpkaya: „Das ist eines meiner Ziele. Ich mache viele Außenpraktika, versuche mit vielen Menschen in Kontakt zu kommen – die mir solche Arbeitsplätze ermöglichen können. Um meine Ziele zu erreichen, arbeite ich viel mit Frau Dr. Anders, Leiterin Berufliche Integration meiner Werkstatt-Integral, zusammen. Ich sitze im Rollstuhl und benötige eine barrierefreie Arbeitsumgebung.“

Vanessa Ratzmer: „Ja. Ich brauche jemanden, der mir meine Berührungsängste nimmt und mich begleitet. Wenn ich meine Angst überwunden habe, könnte ich mir gut vorstellen solch eine Tätigkeit auszuführen.“

Stephan Kelbsch, Mitarbeitender der Tanzschule, beschreibt sein Tauscherlebnis in der Werkstatt so: „Nach Begrüßung und Einführung habe ich eine Patin erhalten, die mich den Tag über begleitet und mir die Werkstatt gezeigt hat. Ich war beeindruckt, mit wie viel Aufgeschlossenheit und Freude mir die junge Frau das Lernen und Arbeiten in der Werkstatt nahegebracht hat. Für die Beschäftigten habe ich kleine Tanzkurse gegeben, bei denen wir gemeinsam viel Spaß hatten. Es war schön auch hier zu sehen, wie die Welt des Tanzens Menschen verbindet und ihnen Freude bringt.“

Eine neue Perspektive haben Sebastian Rothe, Beschäftigter der Elster-Werkstätten, und Roland Neumann, Sozialdezernent der Kreisverwaltung Elbe-Elster, kennengelernt.
© Elster-Werkstätten
Elster Werkstätten und Kreisverwaltung des Landkreises Elbe-Elster in Herzberg/Elster
Der Werkstattbeschäftigte Sebastian Rothe aus der Abteilung Montage/Gravur der Elster-Werkstätten in Herzberg hat mit Roland Neumann, Dezernent für Bildung, Jugend, Kultur, Gesundheit und Soziales der Kreisverwaltung Elbe-Elster seinen Arbeitsplatz getauscht. Sebastian Rothe hat seinen Arbeitstag in der Kreisverwaltung verbracht. Laut Bericht war er beeindruckt von der Vielfalt der Aufgaben in einer Verwaltung, hat jedoch auch festgestellt, dass er letztlich doch eher die handwerklichen Aufgaben im Werkstattbereich mag.

Sein Tauschpartner, Roland Neumann, hat dafür im Montagebereich der Werkstatt mit angepackt und durfte sich an zwei Gravurmaschinen ausprobieren. Sein Resümee: „Ich war ganz erstaunt, wie viel kleinteilige und zum Teil komplexe Arbeitsschritte sich in den echten Kundenaufträgen befinden und wie viel Professionalität in der Begleitung. Dann sind da ganz viele tolle Menschen, die mit ganz viel Herzblut dabei sind, stolz sind, ihre Arbeit zu machen. Und die mir wunderbar erklärt haben, wie der Ablauf funktioniert. Ich kann nur empfehlen, bei einem Schichtwechsel, der auch ein Sichtwechsel ist, mitzumachen.“

Schichtwechsel Haus Freudenberg und Katjes
Wie kommen die Fruchtgummis in die Displays? Das erfuhr Michael Wenzel, Mitarbeiter von Katjes. Und Pascal Groneberg lernte im Austausch die Verwaltung des Fruchtgummiherstellers kennen.
© Klaus-Dieter Stade (kds)
Haus Freudenberg GmbH und Katjes Fassin GmbH + Co. KG
Das Telefon klingelt. Professionell nimmt Pascal Groneberg den Hörer ab und die Bestellung entgegen. Der Beschäftigte der Haus Freudenberg GmbH ist am Schichtwechsel-Tag in der Verwaltung des Unternehmens Katjes in Emmerich am Rhein tätig.

Mit Michael Wenzel, Co-Packing Koordinator bei Katjes, war ein perfekter Tauschpartner gefunden: offen, kompetent und freundschaftlich führte er den Freudenberger Beschäftigten in seinen Arbeitsbereich ein – ebenso konnte er selbst im Geschäftsbereich Verpackung von Haus Freudenberg mit anpacken. „Bisher habe ich die Aufträge zum Befüllen unserer Displays ja immer theoretisch am PC vor Augen gehabt“, erläuterte er, „diese dann tatsächlich einmal aufzubauen und mit unseren Produkten zusammenzustellen, war auch für mich eine neue Erfahrung. So sieht man die andere Seite im Verlauf der Ware einmal ganz praktisch.“

Mitmachen und neue Einblicke gewinnen
Der Aktionstag bietet den Werkstätten in Deutschland erstmals die Möglichkeit der gezielten, einheitlichen, öffentlichen Wahrnehmung. Machen Sie mit und verhelfen Sie anderen Menschen zu neuen Perspektiven!


Weitere Informationen sowie Materialien erhalten Sie von:

Kornelia Hrgovic, Chefredakteurin Werkstatt:Dialog
E-Mail: k.hrgovic@bagwfbm.de
Telefon: 0 69 - 94 33 94 36

 

Pressemeldungen SCHICHTWECHSEL 2019
 





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