Politik 17.11.20
Blitzumfrage der BAG WfbM zur Coronavirus-Krise 
Die Folgen der Coronavirus-Krise stellen viele Werkstätten für behinderte Menschen vor große Herausforderungen. Die BAG WfbM hat deshalb Anfang Oktober eine Blitzumfrage zu den Auswirkungen der Coronavirus-Krise auf Werkstätten durchgeführt, um ein Stimmungsbild zu erhalten. Damit bilden die Ergebnisse die Lage vor dem neuen Lockdown-Light ab.

Die Umfrage, an der sich mehr als 300 Mitglieder der BAG WfbM aus dem gesamten Bundesgebiet beteiligten, zeigt: Werkstätten für behinderte Menschen sind nach wie vor mit der Bewältigung der Folgen der andauernden Krise beschäftigt. Und: Die wirtschaftlichen Folgen der Krise werden erst im kommenden Jahr ihre volle Wirkung entfalten.

Auftragsrückgang
Werkstätten für behinderte Menschen sind, wie andere Akteure der Wirtschaft auch, von der Krise betroffen. Das Auftragsvolumen ist bei 86% der Umfrageteilnehmer im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten zurückgegangen. Im Mittelwert ist dabei das Volumen um 25% zurückgegangen.

Teilhabe ist gesichert
Im Vergleich zum Frühjahr 2020, als aufgrund von angeordneten Betretungsverboten teilweise kaum noch Menschen mit Behinderungen in den Werkstätten arbeiteten, sind laut Angaben der Teilnehmenden aktuell im Schnitt weniger als 10% der Beschäftigten coronabedingt abwesend. Der größte Teil dieser beschäftigten Menschen mit Behinderungen fehlt, weil sie zur Risikogruppe gehören oder weil sie aus Furcht vor Ansteckung auf die Teilhabe am Arbeitsleben in der Werkstatt verzichten. Kaum ins Gewicht fällt, dass Werkstätten aufgrund geltender Bestimmungen weniger Arbeitsplätze zur Verfügung stellen können. Im Gegenteil: Werkstätten haben große Anstrengungen unternommen, um weiterhin allen Beschäftigten die Teilhabe zu ermöglichen. 

Wie wichtig die kontinuierliche Sicherung der Teilhabeangebote ist, haben die Betretungsverbote des Frühjahres 2020 deutlich gemacht. Hier hat sich gezeigt, dass Menschen mit Behinderungen, insbesondere mit hohem Unterstützungsbedarf, besonders unter den Betretungsverboten gelitten haben. 

Werkstätten haben daher bestehende Flächen umgewidmet oder neue Flächen angemietet und weitreichende Hygienekonzepte eingeführt. Zudem bieten sie neue Arbeitszeitmodelle an. So geben rund 50% der Teilnehmenden an, dass sie für die Bereitstellung der Arbeitsplätze Teilzeit und Schichtsysteme in den Werkstätten eingeführt haben. Dies gilt im Übrigen auch für die Förderstätten, in denen lediglich rund 10% coronabedingte Abwesenheiten verzeichnet werden. 

Arbeitsentgelte 
Allerdings haben Werkstätten für behinderte Menschen, im Gegensatz zu Unternehmen aus der Wirtschaft, nicht die Möglichkeit, auf Kurzarbeitergeld zurückzugreifen, um auf Krisen zu reagieren und so Arbeitsplätze zu sichern. Dennoch gaben 81% der Umfrageteilnehmer an, das Arbeitsentgelt der Beschäftigten Menschen mit Behinderungen in voller Höhe weiterzubezahlen. Von diesen 81% gaben 18% an, dass Kürzungen jedoch absehbar sind. Wo gekürzt werden musste, wurde der Werkstattrat im Rahmen der Mitwirkung und Mitbestimmung in die Kürzungsentscheidung einbezogen. 

Ertragsschwankungsrücklage
Werkstätten für behinderte Menschen bilden Rücklagen, um Ertragsschwankungen für maximal sechs Monate auszugleichen. Diese Rücklagen sind in einzelnen Werkstätten im mittlerweile siebten Krisenmonat allerdings aufgezehrt. Insgesamt 52% der Umfrageteilnehmer mussten zur Sicherung der Arbeitsentgelte bereits auf die Ertragsschwankungsrücklage zurückgreifen. 

Staatliche Unterstützung zur Bewältigung der Krise 
Die Bundesregierung hat für soziale Dienstleister und Einrichtungen Regelungen und Maßnahmen auf den Weg gebracht, um aktuell die Entgeltzahlungen für die Beschäftigten während  der Coronavirus-Krise zu sichern. Eine der Maßnahmen ist die Änderung der Schwerbehinderten-Ausgleichsabgabeverordnung. Hier zeigt sich, dass die Gelder bisher nur in begrenztem Umfang in den Werkstätten und damit bei den dort beschäftigten Menschen angekommen sind. Rund 40% der Teilnehmenden gaben an, Mittel beantragt zu haben. Bei den Meisten steht eine abschließende Entscheidung aus. In den wenigsten Fällen wurden die Mittel bereits ausgezahlt. 


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